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Johannes Calvin
und sein Wirken in Genf

von Simon Hollendung

4.1 Ausbreitung des Calvinismus

Im heutigen Heimatland des Calvinismus, der Schweiz, gelang vor allem durch die Zusammenarbeit Calvins mit Bullinger, dem Nachfolger Zwinglis ein beachtlicher Erfolg. Dieser beruhte auf der Schaffung einer Eintracht zwischen französisch- und deutschsprachigen Protestanten. In der evangelischen Schweiz wurden weder Calvins Prädestinations- noch seine Sakramentenlehre gebilligt, da in beidem eine deutliche Abgrenzung zum Luthertum fehlt. Im Consensus Tigurinus von 1549 konnte dennoch ein Kompromiss zwischen Genf und Zürich erarbeitet werden, dem die evangelischen Städte der heutigen Schweiz zustimmen konnten. Calvin, dem die Theologie Martin Luthers näher stand als die Zwinglis, büsste durch diese Abgrenzung gegenüber der von Zürich verachteten Wittenberger Reformation viele Sympathien der Lutheraner ein.[46]

In Deutschland wurden refomierte Gemeinden von wallonischen, flämischen und französischen Flüchtlingen gegeründet. Sympathisanten unter den Lutheranern waren vor allem Melanchthon und Kurfürst Friedrich II, der seine Kurpfalz dem Calvinismus öffnete. Der Heidelberger Katechismus von 1563 fasste die reformierte Glaubenslehre zusammen. Nach dem Tod des Reformators verbreitete sich die Lehre vor allem in Bremen, Lippe, Anhalt, Nassau, Hessen-Kassel und Brandenburg durch den 1587 verstorbenen Kaspar Olevianus.

Die Herborner Akademie wurde eine der ersten bedeutenden Theologenschulen im heutigen Deutschland. Das Eindringen des Calvinismus in lutherische Terretorien verstärkte die anticalvinistischen Tendenzen des Luthertums radikal. Erst im Westfälischen Frieden von 1648 wurden die Reformierten zusammen mit Lutheranern und Katholiken im Reich rechtlich annerkannt. 1815 wurde eine Union von Calvinisten und Lutheranern durch den preussischen Staat verordnet.

In Frankreich betätigten sich besonders viele Theologen, die an der Genfer Akademie ausgebildet worden waren. Genf wurde zur Zuflucht für französischen Flüchtlinge und zum Ausgangspunkt calvinistischer Mission in Frankreich. Wiederholt trat der Reformator für seine bedrängten Landsleute ein. Calvin forderte sie auf, ihren Glauben trotz aller Repressalien zu bekennen. Immer wieder munterte er die evangelikalen in seinem Heimatland auf. Durch solche Schriften verbreitete sich der Calvinismus in der Aristokratie und bildete eine politische Partei. Diese nannten sich Huggenotten und wurden von der katholischen Obrigkeit bekämpft, bis zum sogenannten Toleranzedikt, das Heinrich IV. 1598 in Nantes erliess.

[46] Gerrish, B.A.: Art. Calvin. In: RGG, hrsg. von Hans-Dieter Betz u.a., Bd.2, Tübingen 1999. Spalte 31.
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