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Johannes Calvin
und sein Wirken in Genf

von Simon Hollendung

5. Untersuchungsergebnis

Er war nicht sehr liberal, der Genfer Kirchenstaat.

Und doch auch nicht wesentlich schlimmer als seine Zeit.

Dieses Ergebnis entkräftet eine Menge Vorurteile und gebietet doch einer zu positiven Calvindarstellung Einhalt. Somit haben wir es nämlich nicht mit einem selbstherrlichen Diktator zu tun, der unter dem Deckmantel der Reformation mit unbegründeter Brutalität herrschte. Der Mensch Johannes Calvin wird sichtbar, eine Biographie erkennbar. Harte Gesetzesvorstellungen begründen sich aus seiner Theologie. Diese Strenge in Moral und Gesetz kann und sollte von uns als Menschen des 21. Jahrhunderts nicht verstanden werden. Aber es dürfen sich auch keine Brüche ergeben zwischen dem, was ein berühmter Mann sagte und dem, was er tat.

Diese Konsequenz, warum jemand, der so glaubt, auch so handelt, deutlich zu machen, war mir ein wichtiges Anliegen. Es lässt sich sehr vieles an Calvin kritisieren, aber er bleibt sich selbst konsequent. Aus dieser Konsequenz erschließt sich auch das Denken einer Epoche.

Calvin war eben nicht das hundertprozentige Kind seiner Epoche, er konnte sich aber auch nicht völlig von ihr lösen. Ganz wichtig in diesem Zusammenhang ist das Zitat in Punkt 2.3, in dem Calvin das vorherrschende Gefühl einer ganzen Epoche beschreibt. Er sagt, was ihn zurückhielt: Die Ehrfurcht vor der Kirche. Und von diesem größten Dogma des Mittelalters konnte sich auch ein humanistisch gebildeter Mann wie Calvin nicht lösen. Wer die Epoche so versteht, der kann auch das, was Calvin positiv bewirkt hat, viel besser einschätzen. Es ist eben für diese Zeit liberal, wenn Calvin für einen vermeintlichen Ketzer wie Servet die humanere Todesstrafe fordert. Den Armen wirklich zu helfen, ist auch eine große menschliche Tat für Calvins Zeit. Diese Dinge wurden vorher ganz anders gedeutet und es bestand nie die Notwendigkeit im Denken, dass die Hilfe fürs Armenwesen überhaupt eine gute, religiös motivierte Tat sein könnte.

Die Quellen belegen, dass Calvin vor Gericht keine Ständeunterschiede kannte. Das beweist ein für seine Zeit sehr fortschrittliches Denken, das flächendeckend erst Jahrhunderte später Verbreitung fand.

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