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Johannes Calvin
und sein Wirken in Genf

von Simon Hollendung

2.1 Der junge Calvin

Jean Cauvin wurde am 10. Juli 1509 in Noyon (Picardie) geboren. Zu Studienzeiten folgt er dem damaligen Stil und lateinisiert seinen Namen. Als Johannes Calvin wird er bekannt. Sein Vater war der bischöfliche Sekretär[3] Gérard Cauvin, ein Verwaltungsbeamter des Domkapitels.[4] Seine Mutter Johanna war von großer Frömmigkeit geprägt. Die Tochter eines wohlhabenden Gastwirts aus Cambrai starb früh.[5]

Calvin nahm als Lerngefährte der beiden Söhne der vornehmen Familie de Hangest-Genlis neben der Knabenschule an ihrem Hausunterricht teil und bezog mit ihnen im August 1523 in Paris das Collège La Marche. Dort wurde Mathurin Cordier, sein späterer Mitarbeiter im Genfer Schulwesen, sein Lateinlehrer.[6]

Später trat er mit seinen vornehmen Schulfreunden in das von Noel Bedier geleitete Collège Montaigu ein, dessen Schüler schon Erasmus von Rotterdam war und promovierte nach drei Jahren zum Magister.[7]

Im Rückblick auf diese Zeit berichtet Calvin: „Seit ich ein kleines Kinde war, hatte mein Vater mich für die Theologie bestimmt; doch als er dann später bedachte, dass die Wissentschaft von den Gesetzen für gewöhnlich diejenigen reich macht, die sich mit ihr befassen, da bewog ihn diese Hoffnung sogleich, seine Meinung zu ändern“.[8]

Seit 1528 widmete sich Calvin in Orléans und in Bourges dem juristischen Studium. Der deutsche evangelisch-gesinnte Humanist Melchior Wolmar, bei dem er Griechisch lernte, wurde sein Freund.[9] Am 26. Mai 1531 starb Calvins Vater, der zwei Jahre zuvor wegen Rechtsstreitigkeiten mit der Kirche exkommuniziert worden war. Es kostete nicht geringe Mühe, den sogenannten Kleinen Bann wieder rückgängig zu machen, um eine kirchliche Beerdigung zu ermöglichen.[10] Von Juni 1531 bis Mai 1532 hielt Calvin sich in Paris auf und betrieb am späteren Collage de France, humanistische Studien, als deren literarische Frucht im April 1532 sein Kommentar zu Senecas Schrift De clementia erschien. Nach Abschluß seines juristischen Studiums in Orléans kehrte Calvin als Lizentiatder Rechte, was ungefähr dem heutigen Grad des Magisters entspricht, im Sommer 1533 nach Paris zurück. Es ist so gut wie sicher, dass Calvin wesentlichen Anteil an der Ausarbeiteung der Rede seines Freundes Nicolas de Cop am 1. November 1533 hatte. Cop als Rektor vertrat kirchliche Reformbestrebungen. Da die Rektoratsrede wegen ihrer scharfen Angriffe gegen die Scholastik heftigsten Widerspruch durch die Sorbonne hervorrief, die das Parlament zum Einschreiten gegen den Redner aufforderte, floh Cop nach Basel.[11]

Auch Calvin drohte Gefahr. Unter dem Decknamen Charles d'Espeville verbarg er sich zunächst in Paris, suchte dann aber auf unsteter Wanderung durch das Land eine andere Zufluchtsstätte im Machtbereich der Schwester des Königs, der Margarethe von Navarra, die den bedrängten Protestanten Frankreichs eine treue Beschützerin war.[12]

[3] Nach: Johannes Calvin. 1509-1564, hrsg. von Joachim Rogge, Berlin 1963, Seite 10. Dort auch Stadtrendant.

[4] Lortz, Joseph & Iserloh, Erwin: Kleine Reformationsgeschichte. Ursachen-Verlauf-Wirkung. Freiburg, 1969.

Seite 182.

[5] Nach: Dankbaar, Willem F.: Calvin. Sein Werk und sein Leben. 2. Aufl. Neukirchen-Vlyun 1966. Seite 1.

[6] Ebd. Seite 2 und 3.

[7] Cottret, Bernard: Calvin. Eine Biographie. Stuttgart 1998. Seiten 34 - 36.

[8] Ioannis Calvini opera quae supersunt omnia, hrsg. von G. Baum, E. Cunitz, E. Reuss, 59 Bücher in 58 Bänden, Braunschweig 1863-1900. (Im folgenden nur noch (=OC) abgekürzt.) Bd. 31, Seite 22.

[9] Gerrish, B.A.: Art. Calvin. In: Religion in Geschichte und Gegenwart (=RGG), hrsg. von Hans-Dieter Betz u.a., Bd.2, Tübingen 1999. Spalte 17.

[10] Dankbaar, Willem F.: Calvin. Sein Werk und sein Leben. 2. Aufl. Neukirchen-Vlyun 1966. Seite 10.

[11] Kantzenbach, Friedrich Wilhelm: Die Reformation in Deutschland und Europa. Gütersloh, 1965 (= Evangelische Enzyklopädie, Bd. 9), Seiten 74 und 75.

[12] Dankbaar, Willem F.: Calvin. Sein Werk und sein Leben. 2. Aufl. Neukirchen-Vlyun 1966. Seite 23.

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