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Johannes Calvin
und sein Wirken in Genf

von Simon Hollendung

2.2 Vom Reformer zum Reformator

Man weiß nicht, wann und wie Calvin zu reformatorischer Erkenntnis durchbrach. Wahrscheinlich erlebte er erst im Winter 1533/34 die entscheidende Wendung seines inneren Lebens, durch die der humanistische Reformer Calvin zum Reformator wurde, den letzten Durchbruch einer längeren Entwicklung, die bewußte Hinwendung zum evangelischen Glauben.[13]

Calvin selbst erwähnt dieses wichtige Ereignis seines Lebens in seinen Schriften nur an zwei Stellen. In der Vorrede zu seinem Psalmenkommentar sagt er: „Erst war ich dem Aberglauben des Papsttums so hartnäckig ergeben, dass es nicht einfach war, mich aus diesem tiefen Abgrung herauszuziehen. Aber durch eine plötzliche Bekehrung hat Gott mein Herz, das für mein Alter schon allzusehr verhärtet war, zum Gehorsam unterworfen.“[14] Das diese Bekehrung doch nicht allzu plötzlich auftrat, belegt folgende Stelle. „Anfangs [...] habe ich mich ihr [Erkl.: der Reformation] heftig wiedersetzt, da ich in Anbetracht der angeborenen Sturheit und Trägheit, [...] nur schlecht dazu zu bringen war, zuzugeben, dass ich mein ganzes bisheriges Leben in Irrtum und Unwissenheit zugebracht hatte. Eins hielt mich vor allem davon ab: die Ehrfurcht vor der Kirche.“[15]

Den offiziellen Bruch mit der römischen Kirche vollzog Calvin im Frühjahr 1534, als er Noyon aufsuchte, um dort am 4. Mai auf seine Pfründen zu verzichten. Längere Zeit weilte Calvin bei Louis du Tillet in Claix. Die reiche Bibliothek seines Gastgebers bot ihm willkommene Gelegenheit zu Studien, und die Stille der ländlichen Pfarre nutzte er aus zu Vorarbeiten zu seinem späteren Hauptwerk. In der Nacht vom 17. auf den 18. Oktober 1534 wurden in der Stadt Plakate gegen die Messe verbreitet; man drang vor bis an die Tür des königlichen Schlafgemachs im Palast. Die dadurch nun ausbrechende Verfolgung der Protestanten in Frankreich nötigte ihn, sein Vaterland zu verlassen. Mit seinem

Freund Louis du Tillet begab er sich nach Straßburg, wo beide Anfang 1535 eintrafen und mit den dortigen Reformatoren in Verbindung traten. Sie zogen aber bald weiter nach Basel. Er erfreute sich des Umgangs mit Simon Grynäus.[16] Er widmete sich hebräischen Sprachstudien.

In Basel vollendete Calvin seine Institutio religionis christianae (Unterricht in der christlichen Religion), eine große dogmatische Leistung des Reformationszeitalters. Diese klassische Darstellung der reformatorischen Lehre erschien zur Frankfurter Frühjahrsmesse 1536 in Basel mit einem Vorwort an den König von Frankreich, den er den allerchristlichsten nennt und dem das Buch als Glaubensbekenntnis dargeboten werden soll. In dieser Vorrede an Franz I. verteidigte Calvin seine vom König verfolgten Glaubensgenossen gegen die Anschuldigung revolutionärer Gesinnung. Zur Beruhigung der deutschen evangelischen Fürsten hatte die Kanzlei des Königs die Nachricht verbreitet, in Frankreich wären nur Schwärmer und Wiedertäufer verfolgt und hingerichtet worden.[17]

Die Institutio von 1536 war nur eine kurze Schrift, die sich in der Aufteilung stark an Luthers Katechismus hielt. Mit Louis du Tillet reist Calvin Ende März 1536 über die Alpen in die Lombardei, um mit Renate von Frankreich, der Schwester Franz I. eine persönliche Bekanntschaft anzuknüpfen. Ihr Hof in Ferrara war ein Sammelpunkt für Künstler und Gelehrte, aber auch der Zufluchtsort für verfolgte Protestanten. Dort begegneten sie unter anderem dem bekannten Dichter Clément Marot, der im Herbst 1534 aus Paris nach Ferrara geflohen war. Calvin wurde und blieb der geistliche Ratgeber der Herzogin; sein letzter Brief auf dem Sterbebett galt ihr.[18]

Da die Verfolgung der Protestanten in Frankreich etwas nachließ, reiste Calvin Ende Mai nach Noyon. Er beschloß nach Straßburg zu ziehen, um dort in stiller Gelehrtenarbeit das Werk der Reformation zu fördern. Der Weg durch Lothringen war durch den Schmalkaldischen-Krieg zwischen Karl V. und Franz I. versperrt. Darum wählte Calvin den Umweg über Genf.[19]

[13] Ganoczy, Alexander: Art. Calvin. In: Lexikon für Theologie und Kirche, hrsg. von Walter Kieper, Bd. 2, Freiburg 1994, Spalte 895.

[14] J. Calvin, Vorwort zum Psalmenkommentar (1557). In: OC Bd. 31, Seite 22.

[15] J. Calvin, Antwort an Sadolet (1539). In: OC Bd. 5, Seite 412

[16] Johannes Calvin. 1509-1564, hrsg. von Joachim Rogge, Berlin 1963. Seite 11.

[17] Vgl.: Cottret, Bernard: Calvin. Eine Biographie. Stuttgart 1998, Seiten 140 - 144.

[18] Dankbaar, Willem F.: Calvin. Sein Werk und sein Leben. 2. Aufl. Neukirchen-Vlyun 1966. Seiten 40 und 41.

[19] Lortz, Joseph & Iserloh, Erwin: Kleine Reformationsgeschichte. Ursachen-Verlauf-Wirkung. Freiburg, 1969. Seiten 184 und 185.

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