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Johannes Calvin
und sein Wirken in Genf

von Simon Hollendung

2.3 Calvins erstes Wirken in Genf

Calvin traf am 5. August 1536 in Genf ein und wollte dort nur eine Nacht bleiben. Es kam aber anders. Calvin erzählt in der Vorrede zu seinem Psalmenkommentar: „Ich wurde nicht nur durch eine dringende Ansprache und Ermahnung festgehalten, sondern auch durch eine entsetzliche Beschwörung Farels, als ob Gott aus dem Himmel seine Hand mit Gewalt auf mich legte."[20]

Von dem erfahrenen Reformator so beschworen begann er mit der Auslegung der Paulusbriefe im Dom von St. Pierre. Am 1.Oktober 1536 fanden in Lausanne Religionsgespräche statt, bei denen sich zum ersten mal Calvins Format bewies. Anfang 1537 legten Calvin, Farel und der alte Refomator Illiè Coraud dem kleinen Rat in Genf den Entwurf für eine Reform vor. Die vier Artikel forderten die häufige Kommunion, Psalmengesang, Religionsunterricht und Vorschriften für den Ehestand. Der erste Artikel erwies sich als beschwerlich. Die Geistlichen wünschten wenigstens an jedem Sonntag Kommunion, was der Rat nur schwerlich akzeptieren konnte. Das Abendmahl sollte ein Mittel zur Zucht werden.[21] Von der Verpflichtung auf das Bekenntnis schlossen sich viele aus, und die Durchführung strenger Kirchenzucht stieß auf starken Widerstand. Pfarrer Pierre Caroli in Lausanne, der 1535 aus Frankreich vertrieben worden war, beschuldigte Calvin wegen seiner Trinitätslehre im Katechismus und Genfer Glaubensbekenntnis der Irrlehre. Der Widerstand in Genf gegen Calvin verschärfte sich. Die Mehrheit widersetzte sich seiner strengen Sitten- und Kirchenzucht.

Die Opposition, Libertins genannt, siegte bei der Neuwahl des Rats im Frühjahr 1538. Alle vier jährlich neu gewählten Bürgermeisterstellen wurden von Gegnern Calvins besetzt.[22] Zum Bruch kam es durch die eigenmächtige Entscheidung Farels und Calvins. Obwohl ihnen verboten war zu predigen, da sie die Feier des Abendmahls nach Berner Brauch (mit ungesäuerten Broten) ablehnten, bestiegen sie Ostersonntag wie gewöhnlich die Kanzel. Aufgrund des ungeklärten Streitpunktes verweigerten an diesem 21. April 1538 generell die Austeilung des Abendmahls. Zusammen mit ihrem blinden Kollegen Coraud, der gefangen gesetzt war, wurden sie entlassen und zwei Tage später aus der Stadt gewiesen.[23]

[20] J. Calvin, Vorwort zum Psalmenkommentar (1557). In: OC Bd. 31, Seite 27.

[21] Gerrish, B.A.: Art. Calvin. In: Religion in Geschichte und Gegenwart (=RGG), hrsg. von Hans-Dieter Betz u.a., Bd.2, Tübingen 1999. Spalte 18.

[22] Kantzenbach, Friedrich Wilhelm: Die Reformation in Deutschland und Europa. Gütersloh, 1965 (= Evangelische Enzyklopädie, Bd. 9), Seite 79.

[23] Gerrish, B.A.: Art. Calvin. In: Religion in Geschichte und Gegenwart (=RGG), hrsg. von Hans-Dieter Betz u.a., Bd.2, Tübingen 1999. Spalte 19.

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