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Johannes Calvin
und sein Wirken in Genf

von Simon Hollendung

2.4 Calvin in Straßburg

Farel wurde von seiner alten Gemeinde Neuchâtel (deutsch: Neuenburg) zurückgerufen und diente ihr bis zu seinem Tod im Jahre 1565. Calvin wandte sich nach Basel, siedelte aber bald nach Straßburg über. Auf Drängen Martin Bucers übernahm er das Predigtamt in der französischen Flüchtlingsgemeinde und hielt auch theologische Vorlesungen an dem von Johannes Sturm geleiteten Gymnasium.[24] Im August 1540 heiratete Calvin Idelette de Buren, die zwei Kinder mit in die Ehe einbringt. Sie gebar wahrscheinlich drei Kinder von Calvin, die aber allesamt kurz nach der Geburt starben.[25] Nach neunjähriger glücklicher Ehe wurde ihm Idelette durch den Tod entrissen:

„Die beste Lebensgefährtin ist mir genommen. Wenn mich etwas Ernstes übereilt hätte, wäre sie nicht nur bereit gewesen, Verbannung und Armut mit mir zu teilen, sondern auch mit mir in den Tod zu gehen. Solange sie lebte, war sie auch eine treue Helferin in meinem Amt."[26]

Während seines Straßburger Aufenthalts kam Calvin mit der deutschen Reformation in enge Berührung durch die Religionsgespräche, durch die Karl V. die konfessionelle Spaltung zu beseitigen suchte. Auf der Vorbesprechung 1539 in Frankfurt am Main lernte Calvin Philipp Melanchthon kennen, mit dem er bis zu dessen Tod brieflich verkehrte. Calvin nahm 1540 an dem Religionsgespräch in Hagenau, 1540/41 in Worms und 1541 in Regensburg als Abgeordneter der Stadt Straßburg teil.[27] Seine Arbeit in Straßburg ließ ihm Zeit zu wissenschaftlichen Arbeiten. Im Herbst 1539 vollendete er die erste große Umarbeitung und Erweiterung der Institutio.

Aus dem kleinen Oktavbändchen von 1536 mit seinen sechs Kapiteln war ein stattliches Werk geworden. 1541 erschien seine französische Übersetzung der Institutio. Im Herbst 1539 gab Calvin seinen ersten Bibelkommentar heraus, die Erklärung zum Römerbrief. Von den Genfer Getreuen wurde er gebeten, das im Auftrag der Lyoner Bischofskonferenz von dem Kardinal Jacopo Sadoleto im März 1539 an die Bürger von Genf gerichtete freundliche Einladungsschreiben zur Rückkehr in die um sie trauernde Mutterkirche zu beantworten, da keiner der Genfer Prediger dieser Aufgabe gewachsen sei. Seine Responsio ad Sadoleti Epistolam vom 1. September 1539, die er in sechs Tagen niedergeschrieben hat, ist die klassische Rechtfertigung für die Notwendigkeit der Reformation.[28] Nachdem die anticalvinische Partei in Genf gestürzt worden war, legten Schweizer Freunde ihm nahe, nach Genf zurückzukehren.

Er schrieb am 19. Mai 1540 an Viret: „Nach Genf soll ich gehen, um es besser zu haben? Warum nicht lieber geradewegs ans Kreuz? Besser wäre es, einmal zu sterben, als auf einer Folter immer wieder gequält zu werden! [...] Es gibt keinen Ort der Welt, vor dem ich mich mehr fürchtete."[29] Seit dem Herbst 1540 bemühte sich der Genfer Rat um die Rückberufung ihres vertriebenen Reformators. Mit seinen Straßburger Amtsbrüdern besprach Calvin die Angelegenheit. Sie rieten ihm, der Rückberufung zu folgen. Monatelang zögerte er, eine endgültige Antwort zu geben.

Die Bitten aus Genf wurden dringlicher. Besonders Farel mühte sich darum, seinen früheren Mitarbeiter für die Genfer Kirche zurückzugewinnen. Nach langem Zögern rang er sich zu dem Entschluß durch, dem vermeintlichen Ruf Gottes nach Genf Folge zu leisten.[30]

[24] Dankbaar, Willem F.: Calvin. Sein Werk und sein Leben. 2. Aufl. Neukirchen-Vlyun 1966. Seiten 60 und 61.

[25] Dankbaar, Willem F.: Calvin. Sein Werk und sein Leben. 2. Aufl. Neukirchen-Vlyun 1966. Seiten 69 bis 71.

[26] J. Calvin, Brief an Viret vom März 1549. In: OC Bd. 13, Brief-Nr. 1173.



[27] Vgl.: Dankbaar, Willem F.: Calvin. Sein Werk und sein Leben. 2. Aufl. Neukirchen-Vlyun 1966. Seiten 60 bis 68

[28] Cottret, Bernard: Calvin. Eine Biographie. Stuttgart 1998, Seiten 187 - 193.

[29] J. Calvin, Brief an Viret vom Mai 1540. In: OC Bd. 11, Brief-Nr. 217.

[30] Dankbaar, Willem F.: Calvin. Sein Werk und sein Leben. 2. Aufl. Neukirchen-Vlyun 1966. Seiten 80 bis 83

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