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Johannes Calvin
und sein Wirken in Genf

von Simon Hollendung

2.5 Calvins zweites Wirken in Genf

Calvin traf am 13. in Genf ein. Der Rat gab noch an diesem Tag die Prüfung und Ausarbeitung der von Calvin beantragten und zu entwerfenden Kirchenordnung in Auftrag. Die Ordonnances ecclésiastiques wurde am 20. November 1541 angenommen, sie regelte von nun an das religiöse und kirchliche, das sittliche und soziale Leben der Bürger. Danach gab es vier kirchliche Ämter: Pastoren, Doktoren, Älteste und Diakonen[31] (Siehe 2.2). Der ebenfalls 1542 abgefaßte Catechismus Genevensis mit Fragen und Antworten wurde später in die reformierten Bekenntnisschriften aufgenommen. In seinem Bemühen um die Durchführung der Ordonnances ecclésiastiques stieß Calvin nach Erfolgen der Anfangszeit auf wachsenden Widerstand. Von 1545 an mußte er um die Verwirklichung seines kirchlichen Ideals einen erbitterten Kampf führen gegen die Genfer Aristokratie, die sich der strengen Kirchenzucht nicht fügen wollte und die Verleihung des Bürgerrechts an französische Flüchtlinge nicht guthieß. Calvin selber bekam erst 1559 das Bürgerrecht.[32]

An folgenden drei Fällen entflammt sich die Toleranz-Debatte in der Calvin Forschung:

Der als Vorkämpfer der Toleranz bekannte Rektor des Genfer Gymnasiums, Sebastian Castellio, wurde wegen seiner Abweichung von der Prädestinationslehre Calvins und seiner humanistischen Bibelkritik 1544 zur Niederlegung seines Amtes genötigt.

Der Arzt Hieronymus Bolsec, ein ehemaliger Karmelitermönch, trat gegen die Prädestinationslehre Calvins auf und ließ sich von ihm nicht belehren. Er wurde verhaftet und nach längeren Verhandlungen auf Grund der Gutachten der Basler Kirche und der Prediger von Neuchâtel am 22. Dezember 1551 vom Genfer Rat zu immerwährender Verbannung verurteilt.

Der spanische Antitrinitarier Michael Servet, der von der Inquisition in Vienne denunziert worden war, wurde auf der Flucht nach Italien über Genf auf Calvins Veranlassung am 13. August 1553 verhaftet. Servet wurde am 26. Oktober nach Zustimmung der übrigen evangelischen Kantone wegen Gotteslästerung zum Feuertod verurteilt und am nächsten Tag vor den Toren Genfs verbrannt, nachdem Calvin vergeblich die mildere Todesstrafe durch Hinrichtung mit dem Schwert beantragt hatte.[33]

1555 errang Calvins Partei den Sieg, und nun konnte er sich ungestört dem inneren Auf- und Ausbau der Genfer Kirche widmen. So wurde Genf der Ausgangs- und Mittelpunkt einer neuen großen reformatorischen Bewegung. Im Winter 1558/59 erarbeitete Calvin die endgültige lateinische Fassung der Institutio.

1559 wurde die Genfer Akademie gegründet, an der viele zukünftige Pastoren aus Nord- und Mitteleuropa studierten. Calvin hielt mit der enormen Arbeitslast nicht lange Schritt. Er starb noch nicht ganz 55 jahre alt, am 27. Mai 1564. Auf eigenen Wunsch wurde er ohne Trauerfeier an einem unbekannten Ort beigesetzt.[34]

[31] Gerrish, B.A.: Art. Calvin. In: RGG, hrsg. von Hans-Dieter Betz u.a., Bd.2, Tübingen 1999. Spalte 20.

[32] Lortz, Joseph & Iserloh, Erwin: Kleine Reformationsgeschichte. Ursachen-Verlauf-Wirkung. Freiburg, 1969. Seite 189.

[33] Dankbaar, Willem F.: Calvin. Sein Werk und sein Leben. 2. Aufl. Neukirchen-Vlyun 1966. Seiten 112 bis 133

[34] Ganoczy, Alexander: Art. Calvin. In: Lexikon für Theologie und Kirche, hrsg. von Walter Kieper, Bd. 2, Freiburg 1994, Spalte 897.

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