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Johannes Calvin
und sein Wirken in Genf

von Simon Hollendung

3.1 Genf

Post tenebras lux (Nach der Finsternis Licht) ist der Wahlspruch der calvinistischen Reformation und der Stadt Genf. Die Genfer Reormation beginnt schon vor der Ankunft Calvins. Für die Zeit vor seinem Auftreten sind zwei Namen von größter Bedeutung. Auf politischer Bühne der Herzog von Sayvoyen und auf religiöser Ebene Wilhelm Farel. Letzterer war bereits als glühender Anwalt der Reformation und temperamentvoller Volksprediger bekannt, als er Calvin 1536 zwang, in Genf zu bleiben. Farel, der von 1489 bis 1565 lebte, galt als erfahrener Reformator. Wie Calvin war er humanistisch gebildet und hatte auf eigene Faust mit der allmächtigen Kirche in Rom gebrochen. Auch Farel hatte die selbsterkannte Wahrheit in Meaux und seiner Heimat Gap ohne Rücksicht auf die Konsequenzen gepredigt. Seine Tätigkeit in Neuenburg ab 1530 hatte zu Volkserhebungen geführt. Farel setzte die Reformation in Neuenburg durch und wandte sich wenig später nach Genf. Der charismatische Farel hatte also schon eine erfolgreich abgeschlossene Reformation hinter sich, als er 1536 in Genf auf den zwanzig Jahre jüngeren Calvin traf.[35]

Politisch stand die alte Handelsstadt Genf damals zwischen Bischoff und dem Herzog von Sayvoyen. Konservative Marmelucken und die Eidgenossen, die gegen Fremdbestimmung waren, bekämpften sich. Partiotische Bürger wollten die Stadt aus der bischöfflichen und herzoglichen Oberhoheit befreien. Die Stadt Freiburg unterstützte dieses Vorhaben indem es Genf 1519 ins Burgrecht aufnahm. Karl III. zieht in Genf ein und lässt sich durch den Rat der Hellebarden die Autorität von Herzog und Bischoff über die aufsässige Stadt bestätigen. Doch zwei Jahre später nahm auch Bern die Genfer in das sogenannten Burgrecht auf.[36]

Die Mitglieder dieses Bundes nannten sich Eidgenossen, was in französischer Sprache Hugenotten bedeutet. Seit diesem Jahr war die Position der Bürgerschaft deutlich gestärkt. Das Durchsetzen gegen die kirchliche und weltliche Doktrin von oben gelang immer besser. Ein großer Teilerfolg war die 1530 eingeführte republikanische Verfassung nach Berner Muster. 1532 begann Wilhelm Farel sein reformatorisches Werk in Genf. Am 1. Oktober 1535 vertrieben die Genfer ihren letzten Bischoff, Pierre de La Baume. Der kleine Rat setzte daraufhin die Feier der Messe provisorisch aus, woraufhin die Geistlichen der Stadt flohen. Die Reformation hatte offiziell gesiegt. Die Zementierung der Reformation wollte der Siebenundvierzigjährige dann aber doch nicht mehr ganz alleine bewältigen. Da kam der junge Calvin, der bereits zu literarischen Ansehen gelangt war, gerade recht.[37]

Der Weg Genfs in die Reformation war also eine Folge im Zuge des für die Stadt wichtigeren politischen Unabhängigkeitskampfes.[38]

[35] Kantzenbach, Friedrich Wilhelm: Die Reformation in Deutschland und Europa. Gütersloh, 1965 (= Evangelische Enzyklopädie, Bd. 9), Seiten 77 und 78.

[36] Cottret, Bernard: Calvin. Eine Biographie. Stuttgart 1998. Seiten 145 und 146.

[37] Vgl. dazu auch: Lortz, Joseph & Iserloh, Erwin: Kleine Reformationsgeschichte. Ursachen-Verlauf-Wirkung. Freiburg, 1969. Seite 185.

[38] Cottret, Bernard: Calvin. Eine Biographie. Stuttgart 1998. Seite 144.

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