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Johannes Calvin
und sein Wirken in Genf

von Simon Hollendung

3.2 Ämter und Räte im Kirchenstaat

Genf stieg zum protestantischen Gegenrom auf. Calvin verstand Reformation als Aufrichtung des Reiches Gottes auf Erden. Die christliche Gemeinde sollte die von Gott gestiftete tragende Institution sein.[39]

In der Genfer Kirchenordnung legte Calvin den Aufbau fest. Danach gab es vier kirchliche Ämter: 1. die Pastoren (ministres) für die Predigt und Seelsorge, 2. die Doktoren (docteurs) für den Unterricht, 3. die Ältesten (anciens) für die Kirchenzucht, 4. die Diakonen (diacres) für die Armenpflege.

Die Geistlichen sollten allwöchentlich Versammlungen zum Studium der Schrift und vier mal im Jahr zur gegenseitigen Korrektur abhalten. Die Kirchenordnung legt Sittenzucht, Zeit und Ort der Predigt, Verwaltung der Sakramente, Heirat, Bestattung, Besuch von Kranken und Gefangenen und die Fürsorge für die Kinder fest.

Calvins Plan, die Kirche mit einer eigenen Verwaltung zu versorgen, stieß bei den bürgerlichen Behörden zunächst auf Widerstand. Die Möglichkeit eines Interessenskonflikts lag im wöchentlichen Treffen des Konsistoriums von Ältesten und Geistlichen. Es war ein Mittel zur Kirchenzucht. Die zwölf Laienältesten, durch den Kleinen Rat gewählt, waren politische Beauftragte. Das Konsistorium sollte sowohl Abweichungen von der Lehre, moralische Fehler und auch die Vernachlässigung des Kirchenbesuchs ahnden. Als äußerste Kirchenstrafe durfte daraufhin der Ausschluss vom Abendmahl beschlossen werden. Der kleine Rat der Stadt beanspruchte mit der höchsten richterlichen Gewalt in weltlichen und kirchlichen Fällen die meiste Macht für sich.[40]

Veränderung gab es auch auf dem sozialen Sektor. Das Armenwesen in Genf wurde angepackt und für die zahlreichen Flüchtlinge aus Frankreich Arbeitsplätze geschaffen. Dieser Zuzug von Glaubensflüchtlingen spielte eine wichtige Rolle. Die 947 Neugenfer zwischen den Jahren 1541 und 1564 stärkten Calvins Position. Erst in der zweiten Generation wurden sie Vollbürger, wirtschaftlich von Anfang an ein Gewinn.[41]

[39] Kantzenbach, Friedrich Wilhelm: Die Reformation in Deutschland und Europa. Gütersloh, 1965

(= Evangelische Enzyklopädie, Bd. 9), Seiten 81 bis 83.

[40] Nach: Gerrish, B.A.: Art. Calvin. In: RGG, hrsg. von Hans-Dieter Betz u.a., Bd.2, Tübingen 1999. Spalte 20.

Und: Ganoczy, Alexander: Art. Calvin. In: Lexikon für Theologie und Kirche, hrsg. von Walter Kieper, Bd. 2, Freiburg 1994, Spalte 896.

[41] Pfisterer, Ernst: Calvins Wirken in Genf, Essen 1957. (= Zeugen und Zeugnisse, Bd. 5).

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